Kommunikation und interkulturelle Kommunikation
© Aargauer Zeitung / MLZ; 15.07.2006
Ausland Zeitung
Plötzlich mitten im Krieg
Augenzeugenbericht eines Schweizers in Haifa
yahya hassan bajwa
Am Mittwochmorgen flogen in Haifa
schon sehr früh immer wieder Helikopter in Richtung
der israelischen Nordgrenze. Auf dem Meer tauchen am
Horizont Militärschiffe auf. Die Medien berichteten,
dass zwei Soldaten von den Hisbollah verschleppt worden
seien, und dass Israel nun gegen Hisbollah-Stellungen
im Südlibanon vorgehe.
Am Donnerstagmorgen war erneut Lärm von Helikoptern
und Kampfflugzeugen zu hören. Trotzdem machte ich
mich auf den Weg nach Tulkarem in Palästina. Dort
stehen die Leute in der Hitze auf der Strasse vor den
israelischen Checkpoints und warten stundenlang, bis
sie durchgelassen werden. Dauerte früher der Weg
ins Nachbardorf 20 Minuten, so können es heute
bis zu 6 Stunden sein.
Hani, der an der Universität Nablus studiert, erzählt,
dass er täglich stundenlang unterwegs ist, um an
seinen Studienplatz zu gelangen. Eines Tages hätten
er und sein Freund beschlossen, nicht am Checkpoint,
sondern einige Kilometer weiter entfernt über die
Grenze zu gehen. Sie seien von Soldaten entdeckt und
beinahe erschossen worden. Die Israeli haetten sie abgeführt
und an den Checkpoint gebracht, wo sie stundenlang in
der Hocke warten mussten. Er sei erstaunt gewesen, als
man sie dann einfach aufforderte zu gehen - ohne Überprüfung,
sagt Hani. Abdul, ein älterer Palaestinenser, hat
das Pech, dass sein Land nun auf der anderen Seite der
Mauer liegt. Er könne sein Feld nicht mehr bestellen,
erzählt er. Eigentlich würde er seinen Lebens
unterhalt als Lehrer verdienen. Doch seit die EU ihre
Zahlungen an die palästinensische Regierung eingestellt
hat, erhält er keinen Lohn mehr.
Als ich am Donnerstag gegen Abend nach Haifa zurückkehrte,
wurde, die Stadt von der ersten Rakete getroffen. Von
wem sie abgefeuert wurde, ist unklar. Die Hisbollah
streitet offenbar den Abschuss ab. Die Leute sind aufgeschreckt,
denn der Krieg ist nun plötzlich mitten unter ihnen
und nicht irgendwo im Gazastreifen oder an der Nordgrenze.
In dieser Nacht waren die Quartierstrassen zum ersten
Mal ohne Licht. Ob das absichtlich veranlasst worden
war oder ob es sich um ein Computerproblem handelte,
weiss ich nicht. Doch die Menschen sind sichtlich nervöser
und vor allem aggressiver. Eltern machen sich Sorgen
und lassen die Jugendlichen am Abend nicht aus dem Haus
- ausgerechnet jetzt, in den Sommerferien!
Yahya Hassan Bajwa lebt in Baden. Er bereitet sich im
Moment im Nahen Osten auf eine Vorlesung zum Thema «Krisenkommunikation»
vor, die er im Oktober an der Hochschule Luzern halten
wird.
SZONLINE
GRENCHEN
Dialog der Kulturen ist gelungen
Junge SVPler und Muslime diskutierten am Samstag in
Grenchen über den Koran und den Islam. Dieser Dialog
bedeutet nach dem provokativen Koran-Flyer der JSVP
eine erste Annäherung.
«Der Koran – Anleitung
zu Krieg oder Frieden?» hatte die Junge SVP Solothurn
vor ein paar Wochen provokativ auf einem Flyer gefragt.
Weiter enthielt das Flugblatt einzelne Koranzitate,
welche dem Leser suggerierten, dass es sich beim Islam
um eine frauenfeindliche Religion handeln müsste.
Die Aktion wirbelte einigen Staub auf
– die Jungpolitiker hingegen sahen ihren Flyer
als Diskussionsbeitrag zum Karikaturenstreit. Zur effektiven
Diskussion zwischen JSVPlern und Muslimen kam es am
Samstagabend im Parktheater in Grenchen – den
ersten Schritt dazu hatten allerdings die Muslime der
Ahmadiyya Muslim Gemeinde gemacht, indem sie sich den
Jungpolitikern für ein Podiumsgespräch anerboten.
So präsentierte sich am Samstag
eine illustre Diskussionsrunde dem gut 60-köpfigen,
zur Hälfte aus Muslimen bestehenden Publikum. Auf
der einen Seite Sämi Eichenlaub als Präsident
der JSVP Solothurn und Pirmin Müller als Präsident
der JSVP Luzern.
Auf der andern Seite sassen drei Vertreter
der Ahmadiyya-Gemeinde: Ihr Präsident Tariq W.
Tanutzer – ein gebürtiger Schweizer, der
vor Jahren zum Islam konvertierte – sowie Pressesprecher
Yahya Hassan Bajwa und Sadaqat Ahmad, der Imam der Mahmud-Moschee
in Zürich. Als Gesprächsleiter fungierte Blickonline-Journalist
Michael Scharrenberg.
Frage der Interpretation
In einer ersten Runde konnten sich
die beiden Seiten gegenseitig Fragen stellen. Einen
Themenbereich stellte dabei der Koran dar, dessen Inhalt
die Muslimvertreter zu erklären und teils auch
zu rechtfertigen hatten. Dabei zeigte sich, dass manche
Koranstelle je nach Sichtweise unterschiedlich interpretiert
werden kann.
Jeder Muslim interpretiere den Islam
auf seine Weise, befand Bajwa. Und zum Stichwort Euroislamismus
sagte dieser, er selber sei Schweizer Bürger, und
den hiesigen Muslimen müsse man nicht erklären,
was Demokratie bedeute, diese seien bereits sozialisiert.
Die Muslimvertreter wiederum wollten
wissen, was die JSVP zum Frieden beitrage oder wie sie
Toleranz und Integration fördern würde. «Wir
demonstrieren nicht für den Weltfrieden»,
meinte dazu Pirmin Müller – wohl in Anspielung
auf die Friedensdemonstrationen während des Irakkriegs
–, «sondern wir tragen Frieden in unseren
Herzen.»
Eichenlaub meinte zur Integration,
dass sich dafür beide Seiten bemühen müssten.
«Wir bekennen uns zur Kultur der Aufklärung»,
antwortete Eichenlaub auf eine andere Frage. Die persönliche
Freiheit sei wichtig, man müsse seine Meinung sagen
dürfen.
Mehr Rechte dank Mohammed
Fragen zur Gleichberechtigung von Frau
und Mann kamen ebenfalls zur Sprache. Die Stellung der
Frau sei im Islam besonders schlecht, lautete Müllers
Vorwurf. Tanutzer erklärte dazu, dass die Frauen
dank dem Propheten Mohammed mehr Rechte erhalten hätten.
Und Bajwa betonte, dass in einigen
muslimischen Ländern die Frauen anhand des Korans
ihre Rechte zurückfordern würden. «Vieles,
was im Namen des Islams gemacht wird, hat nichts mit
dem Koran zu tun», unterstrich er. Und: «Wir
müssen die Fundamentalisten in die Schranken weisen.»
So kam auch der aktuelle Fall zu Sprache,
wonach einem vom Islam zum Christentum konvertierten
Afghanen in seinem Land die Todesstrafe droht. «Das
ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel und völlig
unislamisch», unterstrich Tanutzer. Der Koran
stehe im Grundsatz nämlich zu Religions- und Glaubensfreiheit.
Schliesslich zogen beide Seiten ein
positives Fazit. Müller stellte aber infrage, dass
die Ahmadiyya-Gemeinde als «tolerante Splittergruppe
des Islam» die Mehrheitsmeinung der Muslime vertrete.
Imam Ahmad hingegen dankte für die Dialogbereitschaft
und Bajwa appellierte: «Mensch sein und menschlich
handeln kommt vor der Religionszugehörigkeit.»
(mz/pbl)
27.03.2006 08:21
Trans-Communication
oder
die interkulturelle Kommunikation beginnt im eigenen
Hirn.
Im Lift ist alles anders
Sie stehen im Lift. Er ist voll. Wohin mit den Händen.
Schlimmer noch, wohin mit dem Blick? Alle starren krampfhaft
auf die aufleuchtenden Zahlen. Ich fixiere meinen Blick
auf die roten Schuhe der Frau mir gegenüber. 3.
Stock, 4. Stock, 5. Stock – eine Ewigkeit. Niemand
getraut sich, in die Augen einer anderen Person zu schauen.
Endlich! Der Lift hält im 7. Stock. „Uf wiederseh“
(war das ein Zürcher-Akzent?) oder „aufwiedersehen“
(das muss ein Deutscher gewesen sein – im Aargau
stellt sich da gleich die Frage: Was ist schlimmer?
Was so ein Akzent alles ausmachen kann!) oder ein Kneifen
mit den Lippen und schon ist man draussen... Es scheint,
dass im Lift alle gleich sind. Wer schaut schon in die
Augen einer anderen Person! Wäre dies nicht schon
unhöflich, es könnte ja ein beleidigendes
Herabblicken sein oder ein höhnisches Auslachen
oder ist der Blick gar ein plumpes Anmachen?
Am Anfang war die Kommunikation
Die Kommunikation ist das wichtigste Instrument der
Menschen und auch der Beginn eines jeden Erfolgs. Wir
alle betreiben täglich „Kommunikation“,
wäre dies nicht der Fall, würde man dies bei
uns als Depression diagnostizieren – in einer
anderen Kultur könnte die Diagnose anders lauten:
„in der Person wohnt ein höheres Wesen“
oder „die Person ist von einem Dämon besessen“.
(Vor nicht all zu langer Zeit wurden die bösen
Geister auch in Europa auf interessante Weise vertrieben
– manchmal kam es sogar soweit, dass dabei die
„Patientin“ verbrannt wurde.) Selbst das
Nicht-Kommunizieren, das Verstummen, kommuniziert der
Aussenwelt, dass irgend etwas nicht mehr stimmt. Wir
kommunizieren vom ersten Schrei in der Wiege bis zum
letzen Seufzer auf dem Sterbebett. Der Beginn und das
Ende – der Schrei und das Seufzen – ist
interkulturell, beides gilt wohl für alle Menschen.
Doch was zwischen den beiden Eckdaten eines jeden Lebens
liegt, wird durch eine Vielfalt von äusseren Einflüssen
bestimmt.
Der Sprach-Code
Voraussetzung für die Kommunikation ist der Sprach-Code,
der für eine Gruppe hinreichend der gleiche sein
sollte. Der Code ermöglicht dem Sprecher und Hörer
dasselbe unter einem bestimmten Ausdruck zu verstehen.
Dazu ein Beispiel aus einem Spital:
Patient liegt im Bett. Name und Aussehen
lassen erkennen, dass er nicht gerade aus dem Emmental
stammen kann. Es ist Zeit für die Arztvisite. Plötzlich
geht die Türe auf und der Oberarzt, weitere drei
Ärzte, eine Ärztin, die Oberschwester und
weitere Personen in Weiss treten ins Zimmer. Der Patient
legt die Zeitung weg und beobachtet, wie die ganze Gruppe
von einem Bett zum anderen geht. Jedes Mal fragt der
Oberarzt, wie es dem Patienten geht. Dann ist die Reihe
an ihm. Mit einem netten Lächeln fragt der Oberarzt:
„Wo Sie Schmerz?“ Dabei zeigt er mit seiner
Hand auf den frisch operierten Fuss. „Sie Schmerz?“
wiederholt er, als er plötzlich die Neue Zürcher
Zeitung neben dem Patienten entdeckt. Fast erschrocken
meint er: „Ach, Sie lesen die NZZ? Ich habe die
gleiche Ausgabe!“ Daraufhin der Patient sichtlich
gelangweilt: „Kann ich mir schon vorstellen, ist
schliesslich die heutige Ausgabe“. Danach sprechen
Arzt und Patient ganz normal ohne „Wo Sie Schmerz“
weiter.
Lehnen wir uns Mal bequem im Sessel
zurück und fragen uns: „Was ist hier geschehen?“
Scheinbar beginnt die Kommunikation bereits mit dem
Aussehen. Was sich der Oberarzt wohl überlegt hat,
war: 1. Aussehen ausländisch; 2. Aussehen sehr
ausländisch, d.h. nicht europäisch; 3. Wenn
Nicht-Europäer, dann vermutlich Asylbwerber oder
Gastarbeiter; 4. Asylbewerber spricht kaum Deutsch;
5. Ergo: rudimentärer Sprachgebrauch, damit überhaupt
eine Verständigung möglich ist.
Als schliesslich der Faux-pas bemerkt wird, ist die
Kommunikationssituation schon so weit fortgeschritten,
dass es kein Zurück mehr gibt und nur noch die
rettende Ausrede mit „Ach, Sie lesen die NZZ?
Ich habe die gleiche Ausgabe!“ einfällt.
Was hat also die Hautfarbe oder der scheinbar nicht
aussprechbare Name, mit der Sprachbeherrschung des „Schwiizerdütschen“
zu tun?
Interessant an dieser Geschichte sind auch die Personen.
Es ist der Oberarzt, es hätte ja auch eine Oberärztin
sein können; es ist die Oberschwester, es hätte
auch ein Oberpfleger sein können – oder entspricht
dies nicht unseren gängigen Vorstellungen. An meinem
Seminar im Kantonsspital Aarau, als es um Frauenrollen
im islamischen Kontext ging, meinte eine Ärztin,
dass man gar nicht weit suchen müsse, um Vorurteile
zu finden. Oft, wenn sie mit ihrem Kollegen auf Visite
sei, würde man sie konsequent als „Schwester“
ansprechen und ihn als „Herr Doktor“.
Der Blickkontakt
Kehren wir zurück zur Lift-Episode. Der Blickkontakt
spielt eine wichtige Rolle – aber in den verschiedenen
Kulturen eben eine andere. Weshalb schaut man sich im
Lift nicht in die Augen? Sind es irgendwelche Schamgefühle,
ist man plötzlich viel zu nahe beieinander? In
islamischen Kulturen ist es nicht schicklich, wenn Mann
einer Frau direkt in die Augen schaut – vor allem
um so mehr, wenn es sich um eine mir nicht bekannte
Frau handelt. Daher kann es sein, dass eine Patientin
den Blickkontakt mit dem untersuchenden Arzt meidet.
Dieses Problem fällt weg, wenn es eine Ärztin
ist. Anderseits kommt es auch auf die Ausbildung der
Person an. Je gebildeter, um so einfacher kann sie (Patientin)
die Situation einschätzen und wird das Gespräch
mit einem Arzt nicht als ein Problem einstufen. Doch
dies ist nicht einmal so sehr islamspezifisch –
wie viele Frauen würden eine Ärztin einem
Arzt vorziehen und auch umgekehrt. Auch ein Mann hat
Schamgefühle und es ist einfacher, wenn ein Pfleger
ihn wäscht, als eine Krankenschwester – zumindest
ist dies meine Spitalerfahrung.
Der Blickkontakt spielt gerade im Gespräch eine
sehr wichtige Rolle. In den USA hat man Untersuchungen
bei weissen und Afro-Amerikanern gemacht. Dabei hat
sich gezeigt, dass es für einen Weissen ein Afront
ist, wenn man ihm bei einem Gespräch nicht direkt
in die Augen schaut. Der Afro-Amerikaner hingegen schaut
dem Gesprächspartner nie direkt in die Augen, dies
widerspricht seinen sozialen Gepflogenheiten. Der Konflikt
ist somit vorprogrammiert: Der Weisse sucht den Blickkontakt,
der Afro-Amerikaner versucht ihn zu meiden. Der weisse
Gesprächspartner interpretiert das Wegschauen als
ein Verachten oder Herabschauen. Der andere Partner
hingegen fühlt sich durch den „erzwungenen“
Blickkontakt angegriffen.
Im Lift steht man sehr nahe beieinander.
Wie nahe darf man zum Gesprächspartner stehen?
Wir alle kennen diese Situation, wenn plötzlich
einE GesprächspartnerIn so nahe heranstritt, dass
es unangenehm wird. Automatisch macht man einen oder
zwei Schritte nach hinten, bis die Distanz wieder stimmt.
Nun stimmt die Distanz aber für die andere Person
nicht mehr und sie versucht dies zu korrigieren, indem
sie wieder einen Schritt in meine Richtung macht. Ich
erinnere mich, als ich ein Gespräch mit einem Professor
im Vorlesungssaal hatte. Das oben aufgezeigte Spiel
führte dazu, dass wir am Schluss des Gesprächs
fast draussen vor dem Saal standen.
Andere Kulturen – andere
Sitten
Man sagt: „Andere Kulturen, andere Sitten“.
Der Südländer spricht bekanntlich mit dem
ganzen Körper – er benutzt vor allem auch
die Hände und Armen beim Sprechen. Wieviel Körperkontakt
darf man haben? Heute gilt es als schick, wenn Mann
Frau als Begrüssung auf die Wange küsst –
dieser Brauch hat durch die verschiedenen TV-Talk-Shows,
in denen es zum ersten Mal gemacht wurde, einen grossen
Boom ausgelöst. Wenn Frauen sich so begrüssen
ist das akzeptabel. Wie steht es aber, wenn sich Männer
auf der Strasse umarmen und gegenseitig auf die Wange
küssen? Dieser Brauch gilt im Nahen- und Mittlern
Osten. Es ist schon fast Pflicht, dass Mann sich nach
dem Festgebet, zB nach dem Fastenmonat Ramadan, in der
Moschee umarmt. Da spielt es keine Rolle, ob man weiss,
schwarz oder braun ist – jeder wird umarmt. Unter
Araber küsst man sich gegenseitig die Wange, dies
wird hingegen sehr selten unter indischen oder pakistanischen
Muslimen praktiziert. Dass dieser Code falsch verstanden
werden kann, erlebte ich aus der Erzählung eines
Lehrers von mir, der in Indien in den Ferien war. Dort
sah er Männer, die Hand in Hand oder auch mit einem
Arm auf der Schulter des anderen auf der Strasse gingen.
Seine Interpretation: Es gibt in Indien sehr viele Homosexuelle.
Krankheit und Tod
Wie geht man mit der Krankheit und mit dem Tod in den
verschiedenen Kulturen um? Der Heilige Prophet Muhammad
(sws) sagte einst, dass es die Pflicht eines Muslimen
ist, eine kranke Person zu besuchen. Wenn an einem Freitagsgebet
– vergleichbar mit dem Sonntagsgottesdient im
Christentum – mitgeteilt wird, dass jemand im
Spital ist, dann ist klar, was geschieht. Nicht ein
oder zwei Personen besuchen den Patienten, sondern es
kommen gleich dreissig – ein Horrorszenario für
das Pflegepersonal! Wohin mit all den Leuten? Da heisst
es, ruhig Blut bewahren (oder sich gleich eine Blutkonserve
stecken). Da ist interkulturelle Kommunikation gefragt!
Was im Spital oft unvermeidlich ist, ist der Tod eines
Patienten. Für den Muslim – der Islam ist
die zweitgrösste Religionsgemeinschaft in der Schweiz
- ist der Tod der letzte Bestandteil des Lebens, der
nicht verdrängt wird. Auch hier besteht die Verpflichtung,
dass man einer sterbenden Person beistehen muss. Der
letzte Beistand und eine heilige Pflicht ist die Totenwaschung,
das Totengebet und die Beisetzung. Normalerweise wird
die Leiche in die Moschee getragen. Dort verabschieden
sich die Gläubigen vom Verstorbenen – auch
Kinder sind dabei. Nach dem gemeinsamen Totengebet wird
die Leiche zum Friedhof getragen und begraben. Das Gesicht
der verstorbenen Person schaut in Richtung Mekka, dem
Zentrum der islamischen Welt. Man wird im Spital geboren
und man stirbt im Spital.
Dr. Yahya Hassan Bajwa
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